
Nachhaltig investieren ist mehr als ein Trend: Banken spielen eine Schlüsselrolle für die nachhaltige Transformation der Wirtschaft. Tatsächlich sind in der Schweiz bis 2050 jährliche Investitionen von schätzungsweise CHF 13 Mrd. erforderlich, während die Finanzierung nachhaltiger Investitionen allein aus öffentlichen Mitteln nicht ausreicht.
In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, was nachhaltig investieren bedeutet, wie nachhaltig investieren Schweiz konkret umgesetzt wird, welche Möglichkeiten es gibt, ethisch nachhaltig investieren zu können, und wie Sie nachhaltig Geld investieren können, beispielsweise über nachhaltig investieren ETF.
Was bedeutet nachhaltig investieren
Definition und Grundprinzipien
Nachhaltig investieren erweitert das klassische Anlagedreieck aus Rendite, Risiko und Liquidität um eine vierte Dimension: die Nachhaltigkeit. Wir investieren dabei in Unternehmen, die natürliche Ressourcen schonen, fair mit Mitarbeitenden umgehen und auf innovative, umweltschonende Produkte setzen. Grundsätzlich berücksichtigen nachhaltige Investitionen Faktoren aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.
Diese Anlageform verfolgt unterschiedliche Zielsetzungen. Erstens bringen wir Anlageentscheide mit unseren eigenen Werten in Einklang und vermeiden Unternehmen, deren Geschäftsmodelle sich nicht mit langfristiger Nachhaltigkeit vereinbaren lassen. Zweitens verbessern wir das Risiko-Ertrags-Profil, indem die Nachhaltigkeitsanalyse die traditionelle Finanzanalyse ergänzt und Risiken frühzeitig erkennbar macht. Drittens bewirken wir über die rein finanzielle Rendite hinaus einen messbaren positiven Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung.
Dabei unterscheiden sich die Ansätze je nach Ausprägung. Die Nachhaltigkeitsausprägung „Responsible“ bezieht ESG-Kriterien in Anlageentscheidungen ein und minimiert finanzielle Risiken. Die Ausprägung „Sustainable“ geht einen Schritt weiter und fokussiert auf Unternehmen, die durch ihre Produkte oder Dienstleistungen aktiv zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen beitragen. Impact Investing zielt darauf ab, neben finanzieller Rendite eine messbare positive Wirkung im sozialen oder ökologischen Bereich zu erzielen.
ESG-Kriterien im Überblick
ESG steht für Environmental, Social und Governance und bildet das Rahmenwerk zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Unternehmen.
Environmental (Umwelt) bezieht sich auf Auswirkungen eines Unternehmens auf die Umwelt. Dazu gehören Klimawandel, Energieeffizienz, Ressourcenverbrauch, Abfallmanagement und Umweltverschmutzung. Unternehmen, die CO2-Ausstoss senken, Umweltbelastung reduzieren und verantwortungsbewusste Ressourcennutzung fördern, erhalten positive Bewertungen.
Social (Soziales) betrifft die Beziehungen eines Unternehmens zu seinen Stakeholdern. Hierzu zählen Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Vielfalt und Inklusion, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Engagement in der Gemeinschaft. Unternehmen, die fair mit Mitarbeitenden umgehen und soziale Gerechtigkeit unterstützen, werden positiv bewertet.
Governance bezieht sich auf Unternehmensführung und Kontrolle. Dies umfasst ethische Grundsätze, Integrität, Transparenz, Vorstandszusammensetzung, unabhängige Prüfung und Einhaltung von Vorschriften. Unternehmen mit guter Governance-Struktur gelten als vertrauenswürdig und erzielen höhere ESG-Bewertungen.
Die UN Principles for Responsible Investment (UN PRI) haben diese Kriterien in sechs Grundprinzipien für verantwortungsvolles Investieren verankert. Weltweit haben sich mehr als 1200 Unterzeichner mit insgesamt 34 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen angeschlossen. Das entspricht 15 Prozent des global investierten Kapitals.
Unterschied zu traditionellen Anlageformen
Im Gegensatz zu traditionellen Anlagen zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass nachhaltige Investitionen marktkonform performen. Eine Meta-Studie mit rund 1800 Studien ergab, dass 75% einen neutralen oder positiven Zusammenhang zwischen ESG-Performance und finanziellen Ergebnissen zeigen. Eine weitere Studie fand in 90% der Fälle eine positive Korrelation zwischen ESG-Leistung und finanziellen Ergebnissen.
Darüber hinaus weisen Unternehmen mit hohen ESG-Standards oft eine geringere Risikobelastung auf. Sie sind besser auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet und bieten die Chance auf langfristig stabile Renditen. Die Integration von ESG-Faktoren ermöglicht bessere Anlageentscheide, reduziert Risiken und erschließt neue Chancen.
Während traditionelle Anlagen primär finanzielle Kennzahlen betrachten, unterscheiden sich nachhaltige Ansätze in Methodik und Zielsetzung. SRI-Investing (Socially Responsible Investing) schließt Branchen wie Tabak, Alkohol oder Rüstung aus und konzentriert sich auf ethische Überzeugungen. ESG-Integration bezieht Nachhaltigkeitskriterien bewusst in Investmententscheidungen ein. Impact Investing verfolgt explizit messbare positive soziale oder ökologische Wirkungen neben der finanziellen Rendite.
Die Rolle der Banken bei nachhaltigen Investitionen
Banken als Vermittler von Kapital
Der Finanzsektor nimmt aufgrund seiner wirtschaftlichen Funktion eine besondere Mittlerrolle ein. Kapitalströme richten sich nach den Bedürfnissen kapitalsuchender Unternehmen und kapitalgebender Investoren sowie nach geltenden regulatorischen Rahmenbedingungen. Diese Position macht Banken zu einem wichtigen Schlüssel für die Transformation der Realwirtschaft hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft.
Das Bankgeschäft kennt entsprechend den drei Kernfunktionen drei mögliche Wege, sich bei der Klimatransition zu beteiligen:
Finanzieren: Banken stellen Finanzmittel für nachhaltige Projekte wie erneuerbare Energien, Energieeffizienz und umweltfreundliche Infrastruktur bereit. Durch ihre Kreditvergabepolitik üben sie eine Steuerungsfunktion aus und fördern nachhaltige Praktiken.
Investieren: Durch die Entwicklung von Finanzprodukten tragen Banken indirekt dazu bei, nachhaltige Investitionen zu fördern. Dazu gehören grüne Anleihen, Investmentfonds mit Nachhaltigkeitsbezug und andere Produkte, die Anleger ermutigen, ihr Kapital in nachhaltige Projekte zu investieren.
Kapitalmarkt: Banken beraten Unternehmen sowie Kunden bei der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle. Dies umfasst die Umsetzung von Energieeffizienzmassnahmen, die Umstellung auf erneuerbare Energien und die Integration von ESG-Kriterien in die Unternehmensstrategie.
Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft
Über die Kapitalallokation hinaus leisten Banken einen Beitrag insbesondere durch die Schaffung von Transparenz und die Bereitstellung von Informationen. Dabei erstatten sie wissenschaftlich fundiert und transparent Bericht über ihren eigenen Betrieb bis zur Offenlegung ihrer eigenen Umweltauswirkungen.
Banken spielen zudem durch ihre Risikokompetenz eine wichtige Rolle beim Management von Umwelt- und Klimarisiken. Im Licht von physischen Risiken umfassen diese Schäden und Kosten durch klimabedingte Ereignisse wie Stürme, Überschwemmungen oder Hitzewellen, die wirtschaftliche Aktivitäten oder den Wert eines Unternehmens bedrohen können. Transitionsrisiken hingegen schließen Risiken ein, die sich aus dem Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaft ergeben und durch Regulierung, verändertes Konsumverhalten oder Haftungs- und Klagerisiken für Unternehmen entstehen.
In der Schweiz haben Banken deutliche Fortschritte bei der Integration von ESG-Standards erzielt. Die grosse Mehrheit der Banken, nämlich 86 Prozent, hat die erste Fassung der Selbstregulierung für die Vermögensverwaltung bereits vollständig umgesetzt. Gleichzeitig erfüllen 42 Prozent die weiterentwickelte Richtlinie bereits vollständig, während weitere 42 Prozent sich in der Umsetzung befinden. Darüber hinaus wenden 85 Prozent der Banken die ESG-Richtlinien direkt an.
Regulatorische Anforderungen und Richtlinien
Die Schweiz hat verschiedene internationale Rahmenwerke zum Thema Nachhaltigkeit ratifiziert, darunter die Sustainable Development Goals und das Pariser Klimaübereinkommen. Um das Netto-Null-Ziel beim Ausstoss von Treibhausgas-Emissionen bis 2050 zu erreichen, wurde das Bundesgesetz über die Ziele im Klimaschutz verabschiedet.
In Bezug auf Transparenz im Klimabereich sind insbesondere die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures relevant. Per 1. Januar 2024 hat der Bundesrat die Verordnung zur verbindlichen Klimaberichterstattung grosser Schweizer Unternehmen in Kraft gesetzt. Publikumsgesellschaften, Banken und Versicherungen, die mindestens 500 Mitarbeitende beschäftigen und eine Bilanzsumme von mindestens 20 Millionen Franken oder einen Umsatz von mehr als 40 Millionen Franken aufweisen, sind verpflichtet, über Klimabelange öffentlich Bericht zu erstatten.
Die Schweizerische Bankiervereinigung setzt sich aktiv dafür ein, dass bestehende regulatorische Hürden abgebaut und die Rahmenbedingungen für nachhaltige Finanzprodukte weiter verbessert werden.
Nachhaltige Anlageprodukte im Bankensektor
Banken bieten mittlerweile ein breites Spektrum an nachhaltigen Anlageprodukten an, die unterschiedliche Anlagestrategien und Nachhaltigkeitsziele verfolgen. Dabei reicht das Angebot von börsengehandelten Fonds über spezialisierte Anleihen bis hin zu individuell gestalteten Vermögensverwaltungsmandaten.
Nachhaltig investieren ETF
ETFs ermöglichen einen kostengünstigen Zugang zu nachhaltigen Investments durch die Nachbildung von Nachhaltigkeitsindizes. Passive ESG-Fonds bilden lediglich den Vergleichsindex ab, sowohl bei der Rendite als auch den ESG-Eigenschaften. Aktive ESG-Fonds hingegen passen die investierten Anlageobjekte gemäss einer vorher festgelegten Strategie an und versuchen, eine Mehrrendite oder verbesserte ESG-Eigenschaften zu erreichen.
Allerdings zeigt eine Analyse deutliche Unterschiede bei den Kosten: Aktive ESG-Fonds kosten durchschnittlich 1,25 Prozent mehr pro Jahr als passive Fonds. Diese Mehrkosten lassen sich nur rechtfertigen, wenn aktive Fonds bessere Renditen oder Nachhaltigkeitseigenschaften aufweisen. Die Realität sieht anders aus: Aktive ESG-Fonds haben im vergangenen Jahr im Durchschnitt deutlich tiefere Renditen erzielt als passive ESG-Fonds. Auch über drei und fünf Jahre fällt der Nettorenditenvergleich klar zu Gunsten der passiven ESG-Fonds aus.
Darüber hinaus schneiden aktive Fonds auch bei Nachhaltigkeitseigenschaften schlechter ab. Sie weisen im Durchschnitt tiefere ESG-Ratings auf, und die CO2-Emissionen sind durchschnittlich 20 Prozent höher als bei passiven ESG-Fonds. Einzig bei wertbasierten Ausschlüssen schneiden aktive ESG-Fonds leicht besser ab als passive ESG-Fonds. Für die meisten Anleger sind daher passive Fonds die bessere nachhaltige Anlagelösung.
Grüne Anleihen und Social Bonds
Green Bonds finanzieren Projekte mit positiven Umweltauswirkungen wie energieeffiziente Neubauten, energetische Sanierungen oder den Erhalt der Biodiversität. Um Greenwashing-Vorwürfe zu vermeiden, orientieren sich die meisten Emittenten an Regelwerken wie den Green Bond Principles der International Capital Market Association.
Der Kanton Basel-Stadt zeigt als Vorreiter, wie nachhaltig Geld investieren in der Praxis funktioniert. In den Jahren 2018 bis 2025 hat der Kanton fünf Green Bonds in der Höhe von knapp 760 Millionen Franken emittiert. Basel-Stadt hat sein Anleihenspektrum zudem mit Social Bonds erweitert. Der erste Social Bond in der Höhe von 110 Millionen Franken und einer Laufzeit von sechs Jahren dient dem Erhalt von preisgünstigem Wohnraum. Es war der erste Social Bond, der von der öffentlichen Hand oder einem Schweizer Unternehmen überhaupt emittiert wurde.
Social Bonds finanzieren Projekte mit sozialen Zielen wie Zugang zu Gesundheitswesen oder bezahlbarem Wohnraum. Die International Capital Market Association hat die Social Bond Principles herausgegeben, die Mindestkriterien an die Anleihe und Berichtsanforderungen definieren. Das Emissionsvolumen für Social Bonds verzeichnete im Corona-Jahr 2020 einen Anstieg um rund 700 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Nachhaltige Vermögensverwaltungsmandate
Vermögensverwaltungsmandate ermöglichen eine individuelle Umsetzung von Nachhaltigkeitspräferenzen. Bei Julius Bär müssen mindestens 70 Prozent der Investitionen in Finanzinstrumente getätigt werden, die als „Verantwortungsvoll“ oder „Nachhaltig“ eingestuft werden. Somit sind mindestens 70 Prozent des Mandats auf ökologische und soziale Merkmale ausgerichtet.
Das Mandat ermöglicht direkte Beteiligungen sowie Anlagen in Fonds oder fondsähnliche Produkte wie ETFs. Die berücksichtigten Anlageklassen umfassen die Bereiche Geldmarkt, Barmittel und Aktien sowie gegebenenfalls Anleihen. Nebst der klassischen Finanzanalyse kommt bei nachhaltigen Vermögensverwaltungsmandaten eine Nachhaltigkeitsanalyse hinzu. Einerseits werden Ausschlusskriterien angewandt, die gewährleisten, dass bestimmte Branchen wie Atomenergie oder Rüstung ausgeschlossen werden, sofern definierte Umsatzschwellen überschritten werden.
Thematische Investmentfonds
Thematische Investmentfonds konzentrieren sich auf Megatrends oder strukturelle Veränderungen, die die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung massgeblich prägen. Von den 2.155 nachhaltigen Fonds im Universum identifizieren Analysen 521 nachhaltige Themenfonds. Somit investiert rund ein Viertel der Nachhaltigkeitsfonds in einen nachhaltigen Themenkomplex und folgt einem thematischen Nachhaltigkeitsansatz.
45 Prozent der nachhaltigen Themenfonds, gesamthaft 233 Fonds, fokussieren auf das Thema „Umwelt/Klima“. Es ist damit aktuell das mit Abstand dominanteste Thema bei thematischen Nachhaltigkeitsfonds. Auf Platz zwei und drei folgen mit deutlichem Abstand die Themen „Sozial“ mit 53 Fonds sowie „Energie“ mit 46 Fonds. Die aktuelle Vermögensbasis nachhaltiger Fonds mit thematischer Anlagestrategie beträgt CHF 237 Milliarden.

Nachhaltig investieren Schweiz: Der Finanzplatz als Vorreiter
Der Schweizer Finanzplatz positioniert sich gezielt als globaler Vorreiter im Bereich nachhaltiger Finanzdienstleistungen. Der Bundesrat sieht Sustainable Finance als grosse Chance und relevanten Wettbewerbsfaktor für den Schweizer Finanzplatz. Im Dezember 2022 hat der Bundesrat den Bericht für einen nachhaltigen Finanzplatz verabschiedet. Mit 15 Massnahmen für die Jahre 2022 bis 2025 soll der Schweizer Finanzplatz seine Position als einer der weltweit führenden Standorte für nachhaltige Finanzen weiter ausbauen.
Im März 2026 hat das SIF in einem Policy Paper das Engagement der Schweiz im Bereich nachhaltiger Finanzdienstleistungen bekräftigt. Nachhaltigkeit bleibt ein Qualitäts- und Wettbewerbsmerkmal für den Finanzstandort Schweiz. Der Bundesrat orientiert sich grundsätzlich am Primat marktwirtschaftlicher Lösungen und an der Subsidiarität staatlichen Handelns und setzt auf Transparenz und Langfristorientierung.
Massnahmen der Schweizerischen Bankiervereinigung
Die Schweizerische Bankiervereinigung hat einen konkret erarbeiteten Massnahmenplan entwickelt, um die Position der Schweiz als führender Standort für nachhaltig investieren zu stärken. Seit 1.1.2024 gelten einheitliche Minimalstandards durch die ESG-Richtlinien. Diese freie Selbstregulierung ergänzt das Finanzdienstleistungsgesetz und berücksichtigt den Standpunkt des Bundesrates zur Prävention von Greenwashing im Finanzsektor.
Die ESG-Richtlinie 2.0 unterscheidet bei ESG-Anlagelösungen mit Nachhaltigkeitszielen zwischen Beitrags- und Verträglichkeitszielen. Entsprechend unterscheidet sie zwischen dem umfassenden Begriff „ESG“ und dem enger gefassten Begriff „nachhaltig“, der künftig eine Teilmenge von ESG darstellt. Die Minimalstandards aus der Selbstregulierung 1.0 werden damit erhöht.
Die breite Verfügbarkeit von ESG-Anlagelösungen ist zudem ein zweiter Indikator dafür, dass sich die Banken ernsthaft und in der Breite mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt haben. 68% der Banken offerieren eine ESG-Anlagelösung. ESG-Anlagelösungen sind damit bei mehr Banken verfügbar als konventionelle Anlagelösungen.
Darüber hinaus hat die SBVg 2021 in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group eine Studie zum Investitions- und Finanzierungsbedarf für eine klimaneutrale Schweiz bis 2050 publiziert. 2025 folgte eine Studie zum Finanzierungsbedarf der Schweiz für den ökologischen Wandel. Zudem wurde 2022 ein Diskussionspapier zu klimaeffizienten Hypotheken und 2024 ein Diskussionspapier zur Mobilisierung privater Gelder zur Bekämpfung des Klimawandels veröffentlicht.
Netto-Null-Initiativen und Klimaziele
Die SBVg erachtet die Netto-Null-Initiativen als wirksame Instrumente zur Erreichung der Klimaziele 2050. Sie hat als einer der ersten Verbände weltweit den Supporter-Status bei der Net-Zero Banking Alliance erhalten. Allerdings empfiehlt sie ihren Mitgliedern, internationalen Netto-Null-Allianzen sowie Nachhaltigkeitsinitiativen im Bankbereich beizutreten.
Die Schweiz hat 2017 das Klimaübereinkommen von Paris ratifiziert. Der Bundesrat hat sich 2019 zum Ziel gesetzt, bis 2050 unter dem Strich keine Treibhausgasemissionen mehr auszustossen. Das bedeutet, dass nur noch so viele Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, wie durch natürliche oder technische Speicher wieder aufgenommen werden.
Als Mitglied einer Netto-Null-Allianz bekennt sich das unterzeichnende Institut öffentlich, sich der Thematik des Klimawandels zu widmen, entsprechende Ziele zu formulieren und diese regelmässig zu messen und offenzulegen. Die Mitgliedschaft schafft eine gewisse internationale Vergleichbarkeit und erhöht damit die Glaubwürdigkeit der Ambitionen.
Best Practice Beispiele Schweizer Banken
Schweizer Banken setzen die Klimaziele in der Praxis um. Die BEKB ist im Februar 2022 der damaligen Net-Zero Banking Alliance beigetreten. Damit hat sie sich verpflichtet, die finanzierten Emissionen systematisch zu erfassen, offenzulegen und bis spätestens 2050 auf Netto-Null zu reduzieren, im Einklang mit dem 1,5 °C-Ziel des Pariser Klimaabkommens.
Die BEKB hat wissenschaftsbasierte Klimaziele für das Hypothekarportfolio definiert, da Immobilienfinanzierungen mit über 90% den grössten Teil des Kreditportfolios ausmachen. Sie trägt im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu bei, dass die CO₂-Emissionen von Wohnliegenschaften, die mit ihren Hypotheken finanziert sind, um mindestens 45% gegenüber 2022 sinken. Bei übrigen Liegenschaften sollen die CO₂-Emissionen um mindestens 35% gegenüber 2022 sinken.
Im Jahr 2024 hat die BEKB Klimaziele für ihre eigenen Anlagen und Beteiligungen sowie für die BEKB-Fonds festgelegt. Bis ins Jahr 2030 sollen sich 80% der Portfolio-Holdings der BEKB-Fonds Klimaziele setzen. Bis spätestens 2040 steigt die Zahl der Portfolio-Holdings mit Klimazielen auf 100%.
Ausschlusskriterien und ESG-Integration in der Kreditvergabe
Die Kreditvergabe gehört zu den Kernaktivitäten einer Bank und hat direkten Einfluss darauf, welche Wirtschaftstätigkeiten finanziert werden. Ab 2026 müssen Banken laut Europäischer Bankenaufsicht ESG-Risiken explizit in Kreditentscheidungen einbeziehen. Was lange als freiwilliges „Nice-to-have“ galt, ist damit ein harter Faktor der Unternehmensfinanzierung geworden.
Welche Branchen werden ausgeschlossen
Banken setzen Ausschlusskriterien ein, um Kreditverluste und Reputationsschäden zu verhindern. Die DZ BANK hat strenge Standards für ihre Geschäftsaktivitäten definiert. Dabei gelten folgende Ausschlüsse:
- Thermische Kohle: Keine direkte Finanzierung von Kohlekraftwerken oder vorgelagerten Aktivitäten sowie keine indirekte Finanzierung von Unternehmen mit Umsatzschwelle über 5 Prozent
- Öl- und Gasförderung: Kein Neugeschäft mit Unternehmen im Upstream-Bereich, Fracking, Ölsanden oder Arctic Drilling bei Umsatzschwelle 0 Prozent
- Atomenergie: Keine direkte Finanzierung des Neubaus von Atomkraftwerken, es sei denn die Aktivität erhöht die Sicherheit
- Konventionelle und kontroverse Waffen: Keine Finanzierung von Waffenlieferungen in Länder ausserhalb der NATO, des EWR oder der EFTA ohne staatliche Ausfuhrgenehmigung
- Menschen- und Arbeitsrechte: Keine Finanzierung von Unternehmen, die gegen UN Global Compact, UN Guiding Principles oder ILO-Kernarbeitsnormen verstossen
Die Deutsche Bank hat sich verpflichtet, keine neuen Projekte zur Förderung von Öl und Gas in der Arktis und keine neuen Projekte im Bereich Ölsand mehr zu finanzieren. Zudem hat sie Netto-Null-Zielvorgaben für acht emissionsintensive Sektoren im Unternehmenskreditbuch bis Ende 2030 veröffentlicht.
ESG-Ratings im Kreditentscheid
Moderne Finanzinstitute integrieren ESG-Faktoren systematisch in ihre Kreditvergabe. Je schlechter die Nachhaltigkeitsleistung, desto höher der Kreditzins. Umgekehrt können Unternehmen mit starken ESG-Werten mit günstigeren Konditionen rechnen.
Viele Banken bieten grüne Kredite und Nachhaltigkeitsdarlehen an, deren Zinssatz an ESG-Ziele gekoppelt ist. Erfüllt das Unternehmen definierte Nachhaltigkeits-KPIs, reduziert sich der Zinssatz typischerweise um 0,1 bis 0,3 Prozentpunkte als Bonus. Bei Verfehlen kann er hingegen steigen.
Bereits 86 Prozent der Institute setzen ESG-Scorings ein oder planen dies bis 2027. Ratingagenturen wie MSCI, Sustainalytics oder Creditreform bieten spezielle KMU-ESG-Scores an, die Banken als Orientierung dienen. Ab 2024 müssen Banken Kennziffern wie die Green Asset Ratio berichten, die den Anteil grüner Kredite in der Bilanz ausweist. Um diese Quoten zu verbessern, priorisieren Banken nachhaltige Projekte.
Über 90 Prozent der befragten Banken geben an, dass ESG-Kriterien bereits in der Kreditvergabe eine Rolle spielen. Ein überzeugendes ESG-Rating kann direkt zu besseren Kreditkonditionen und kürzeren Entscheidungswegen führen.
Nachhaltigkeitsrisiken im Kreditportfolio
Die systematische Bewertung von Nachhaltigkeitsrisiken ist integraler Bestandteil der Risikomanagementprozesse. ESG-Risiken werden nicht als eigenständige Risikoklasse, sondern als Treiber klassischer Risikoarten wie Kreditrisiko betrachtet.
Banken stehen vor der Herausforderung, ihre Kreditportfolien in eine CO₂-neutrale Richtung zu steuern. Bis 2045 beziehungsweise 2050 sollen Treibhausgas-Emissionen gemäss deutschem Klimagesetz sowie europäischem Klimagesetz verboten werden. Banken, die danach noch CO₂-intensive Unternehmen im Portfolio haben, laufen Gefahr deutlicher Bonitäts- und Ausfallrisiken. Diese Positionen werden als stranded assets bezeichnet und sind zu diesen Zeitpunkten als weitgehend wertlos anzunehmen.
Eine zentrale Rolle kommt der Transitionsplanung der Unternehmen zu. Eine auf plausiblen Plänen beruhende Anpassungsstrategie des Kreditnehmers mindert das ESG-Risiko der Risikoposition.
Ethisch nachhaltig investieren: Transparenz und Beratung
Nachhaltigkeitspräferenzen der Kunden
Seit dem 2. August 2022 sind Beraterinnen und Berater gesetzlich verpflichtet, nach den Nachhaltigkeitspräferenzen von Kundinnen und Kunden zu fragen und nur Produkte zu empfehlen, die diesen entsprechen. Diese Regelung ermöglicht es Anlegern, Investitionsentscheidungen zu treffen, die ihren Nachhaltigkeitspräferenzen entsprechen.
Im Beratungsgespräch können Kunden festlegen, welche Aspekte ihnen wichtig sind. Dabei stehen drei Optionen zur Verfügung: Das Produkt kann einen Mindestanteil an ökologisch-nachhaltigen Investitionen gemäss EU-Taxonomie-Verordnung enthalten, einen Mindestanteil an nachhaltigen Investitionen gemäss EU-Offenlegungsverordnung umfassen oder die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigen. Den jeweiligen Mindestanteil bestimmen Kunden selbst.
Entspricht kein Finanzprodukt den individuellen Nachhaltigkeitspräferenzen eines Kunden und entscheidet sich dieser, seine Präferenzen anzupassen, zeichnet die Bank die Kundenentscheidung einschliesslich ihrer Begründung auf. Der rechtliche Rahmen befindet sich aktuell noch in der Entwicklung, weshalb es vorkommen kann, dass Beraterinnen oder Berater kein Produkt anbieten können, das den Präferenzen entspricht.
ESG-Reporting und CO2-Transparenz
Banken stehen vor erheblichen Herausforderungen bei der Erfassung und Offenlegung von ESG-Daten. Im Rahmen der CRR-Offenlegung sind insgesamt zehn quantitative Templates zu befüllen. Diese umfassen vier Templates zu transitorischen Risiken, ein Template zu physischen Risiken sowie fünf Templates zu Minderungsmaßnahmen.
Insbesondere die Datenbeschaffung und Datenqualität stellen die grössten Hürden dar, vor allem bei Scope-3-Emissionen und Informationen von nicht berichtspflichtigen Unternehmen. Banken müssen Informationen über Energieeffizienzklassen von Immobiliensicherheiten, die Konformität der Mittelverwendung mit der Taxonomie-Verordnung oder die CO2-Emissionen einholen. Dafür gilt es, bilateral die benötigten Daten in Erfahrung zu bringen, beispielsweise über Kundengespräche oder durch Fragebögen. Das Vertriebspersonal muss hierfür geschult werden.
Vermeidung von Greenwashing
Greenwashing bedeutet, dass ein Finanzprodukt in Werbung, Name oder Darstellung nachhaltiger wirkt, als es tatsächlich ist. Eine Studie über 2.000 Fonds im Jahr 2022 untersuchte kontroverse Branchen, davon über 1.000 als nachhaltig gekennzeichnet. Von diesen vermeintlich nachhaltigen Fonds waren jedoch nur rund 10 Prozent unbedenklich und tatsächlich nachhaltig.
Das Problem liegt darin, dass weder der Begriff Nachhaltigkeit geschützt ist, noch haben ESG- oder SRI-Konzepte eine eindeutige Definition. Die Daten, auf denen Nachhaltigkeitsbewertungen beruhen, werden durch Behörden völlig unzureichend überprüft. Der Wahrheitsgehalt der Rating-Aussagen ist faktisch nicht überprüfbar, entweder weil es mit sehr hohem Aufwand verbunden ist oder weil nicht alle notwendigen Informationen über Abläufe in den Unternehmen öffentlich verfügbar sind.
Grüne Finanzierungen ziehen auf jeden Fall gewisse Dokumentations- und Nachweispflichten nach sich. Wenn ein Projekt keine Relevanz für Nachhaltigkeit hat, laufen Kunden Gefahr, des Greenwashings bezichtigt zu werden. Das nützt am Ende keinem, dafür sind die Reputationsrisiken viel zu hoch.
Beratungsqualität und Ausbildung
Obwohl Banken verpflichtet sind, nachhaltige Investitionen anzubieten, wenn Kunden ausdrücklich danach fragen, wurden die Präferenzen der Anleger für nachhaltige oder klimafreundliche Produkte nicht systematisch berücksichtigt. Bankberater fehlt es noch immer an Fachwissen zu allen Aspekten des nachhaltigen Investierens.
Das FNG bietet die Weiterbildung Nachhaltige Geldanlagen für Finanzberater an. Die Kursinhalte reichen von Basiswissen über Investmentstile und Nachhaltigkeitsansätze bis hin zu Regulatorik und Nachhaltigkeit in der Anlageberatung. Die Weiterbildung besteht aus drei Modulen und wird vom FNG in Kooperation mit ÖGUT angeboten. Für den erfolgreichen Abschluss erhalten Teilnehmende 14 DFB/CFP Credits.
Finanzierung der nachhaltigen Transformation
Die Kosten der Transformation können nicht allein durch öffentliche Hand getragen werden. Privates Kapital ist erforderlich. Banken mobilisieren diese Mittel über spezialisierte Finanzierungsinstrumente, die Unternehmen Anreize für nachhaltiges Wirtschaften bieten.
Sustainability-linked Finanzierungen
Sustainability-linked Finanzierungen koppeln die Zinsmarge an unternehmenseigene Nachhaltigkeitskennzahlen oder externe ESG-Benchmarks. Anders als zweckgebundene Kredite knüpfen diese Finanzierungen nicht an den Verwendungszweck des Darlehens an, sondern schaffen Anreize, vertraglich vereinbarte Nachhaltigkeitsziele über die Laufzeit zu erreichen.
Die vereinbarten Ziele werden als vordefinierte Nachhaltigkeitsziele (Sustainability Performance Targets) beschrieben. Zur Bemessung, ob die Darlehensnehmerin die SPTs erreicht, werden Leistungsindikatoren (Key Performance Indicators) definiert. Ein Unternehmen, das auf nachhaltige Energie umstellen möchte, könnte mit dem Kreditgeber einen SPT vereinbaren, der besagt, dass es 30% seiner Energie während des Finanzierungszeitraums aus nachhaltigen Quellen beziehen möchte.
Solche Anreize liegen regelmäßig in einer Verringerung der Zinslast bei Erreichen dieser Ziele. Denkbar ist daneben auch der umgekehrte Fall, also ein Anreiz dahingehend eine für den Darlehensnehmer negative Folge zu vermeiden, beispielsweise eine Steigerung der Zinslast bei Nichterreichen der Nachhaltigkeitsziele. Im ersten Quartal 2024 sind rund 19% aller Kredite auf dem syndizierten Kreditmarkt in Europa nachhaltig, wobei Sustainability-linked Kredite mittlerweile über 90% der nachhaltigen Kredite ausmachen.
Green Loans und Social Loans
Green Loans sind Darlehen, die speziell zur Finanzierung ökologisch nachhaltiger Projekte aufgenommen werden und nur zu ebendiesem Zweck verwendet werden dürfen. Das Hauptziel besteht darin, Mittel direkt in Projekte zu leiten, die zur ökologischen Nachhaltigkeit beitragen. Relevante Taxonomien sind die EU-Taxonomie, die Green Bond Principles der ICMA sowie die Green Loan Standards der LMA.
Social Loans unterstützen soziale Initiativen wie den Bau von bezahlbarem Wohnraum. Mit dem Social Loan ermöglichen Banken Wohnbaugenossenschaften und sozialen Einrichtungen tiefere Finanzierungskosten. Dies ist möglich dank Weitergabe der Emissionserlöse aus innovativen und nachhaltigen Anlagen wie Social Bonds.
Förderung von erneuerbaren Energien
Die Europäische Investitionsbank hat in den Jahren 2013 bis 2018 insgesamt 28 Milliarden Euro für Erneuerbare-Energien-Projekte bereitgestellt. Damit können Anlagen gebaut werden, die mit einer Erzeugungsleistung von 38.000 Megawatt 45 Millionen Haushalte weltweit mit sauberem Strom versorgen. Für Energieeffizienzprojekte stellt die EIB jährlich zwischen 2,5 und 5 Milliarden Euro bereit, mit einem Rekordbetrag von fast 5 Milliarden Euro im Jahr 2017.
Regionale Förderbanken ergänzen diese Aktivitäten. Die L-Bank bietet Förderdarlehen zwischen 25.000 und 5 Millionen Euro für die Errichtung, Erweiterung oder Erwerb von Erneuerbare-Energien-Anlagen. Die Basler Kantonalbank konnte die gesprochenen Kreditlinien für Unternehmen und Projekte im Bereich erneuerbare Energien um 202 Millionen CHF erhöhen.
Unterstützung von KMU bei der Transformation
KMU der Sozialwirtschaft stehen vor strukturellen Hindernissen wie begrenzten Ressourcen, komplexen Vorschriften und dem Fehlen standardisierter Berichtsinstrumente. Das EU-finanzierte Projekt „Green at Heart“ befasst sich mit diesen Herausforderungen und stützt sich dabei auf die Perspektiven von 62 KMU und 75 Stakeholdern aus Österreich, Spanien und den Niederlanden.
In Österreich investiert das Förderprogramm KMU.DIGITAL im Zeitraum 2024 bis 2026 insgesamt 35 Millionen Euro in die digitale und nachhaltige Transformation von Klein- und Mittelbetrieben. Das Programm wurde um eine neue ‚grüne‘ Förderschiene ausgebaut, die auf digitale, ökologisch nachhaltige Transformationsprojekte fokussiert.
Die EU unterstützt Kleinst- und Sozialunternehmen durch Finanzierungsinstrumente im Rahmen des Programms InvestEU und des EU-Programms für Beschäftigung und soziale Innovation. Im Programmplanungszeitraum 2021 bis 2027 werden über eine EU-Haushaltsgarantie im Umfang von 26,2 Milliarden Euro öffentliche und private Investitionen in Höhe von mehr als 372 Milliarden Euro mobilisiert.
Herausforderungen und Chancen für nachhaltiges Bankwesen
Datenverfügbarkeit und Messbarkeit
Über 80 Prozent der Banken sehen die Verfügbarkeit von ESG-Daten als zentrale Herausforderung an. Zwei Drittel erfassen ESG-Daten weiterhin manuell. Die Omnibus-Initiative hat die Situation nicht entspannt: Mit der finalen EBA-Leitlinie, die seit Januar 2026 verpflichtend anzuwenden ist, steigt der regulatorische Druck erheblich.
Die Aufsicht fordert ESG-Daten, die konsistent, granular, historisiert über längere Zeiträume und institutsweit verfügbar sind. Ab 2027 sind nur noch große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von über 450 Mio. EUR berichtspflichtig. Damit sinkt die Zahl der betroffenen Unternehmen um rund 92 Prozent. In der EU sind somit noch etwa 11.700 Unternehmen berichtspflichtig, in Deutschland rund 1.300.
Berichten Unternehmen nicht, können ESG-Daten im Kundengespräch oder über Fragebögen erhoben werden. 66 Prozent der teilnehmenden Banken nutzen Fragebögen. Allerdings verfügt nur ein kleiner Teil über eine funktional integrierte ESG-Dateninfrastruktur.
Biodiversität als neue Dimension
Geschätzt die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung hängt moderat bis stark von der Biodiversität ab. Das Weltwirtschaftsforum bezeichnet in seinem Global Risks Report den Biodiversitätsverlust als eines der grössten Risiken für die Wirtschaft.
Der Naturwandel in der Schweiz erfordert bis 2050 jährliche Investitionen in der Höhe von 5,3 Mrd. CHF. Die derzeitigen Ausgaben belaufen sich auf schätzungsweise 3,2 Mrd. CHF pro Jahr. Um den Gesamtfinanzierungsbedarf zu decken, sind zusätzliche 2,1 Mrd. CHF pro Jahr erforderlich.
Langfristige Wettbewerbsfähigkeit
Rund ein Viertel aller Kunden würde auf einen Teil ihrer Kapitalerträge verzichten, sofern ihre Investitionen auf ökologisch nachhaltige Weise getätigt werden. Die Transformation hin zu einer klimaneutralen und naturverträglichen Wirtschaftsweise ist daher eine strategische Notwendigkeit und zugleich ein wirtschaftlicher Hebel.
Mobilisierung privater Gelder
Um das Übereinkommen von Paris zu erreichen, werden weltweit jährlich 1,6 bis 3,7 Bio. USD erforderlich sein. Von 2018-2020 wurden durchschnittlich 48,6 Milliarden USD durch öffentliche Entwicklungsfinanzierung im Privatsektor mobilisiert. 69 Prozent der privaten Gelder wurden von multilateralen Entwicklungsbanken mobilisiert.

Fazit
Nachhaltig investieren entwickelt sich von einer Option zur Notwendigkeit. Banken nehmen eine zentrale Rolle ein, indem sie Kapitalströme lenken, ESG-Kriterien integrieren und innovative Finanzprodukte entwickeln. Allerdings müssen wir auf Transparenz achten und Greenwashing vermeiden.
Bevor wir investieren, sollten wir unsere Nachhaltigkeitspräferenzen klar definieren und uns umfassend beraten lassen. Passive ESG-ETFs bieten oft bessere Konditionen als aktive Fonds, während grüne Anleihen und thematische Fonds zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.
Der Schweizer Finanzplatz zeigt, wie verantwortungsvolles Investieren funktioniert. Nutzen wir diese Chancen, um finanzielle Rendite mit positiver Wirkung zu verbinden.
FAQs
Q1. Was versteht man unter nachhaltiger Geldanlage? Nachhaltige Geldanlage erweitert die klassischen Anlagekriterien Rendite, Risiko und Liquidität um die Dimension Nachhaltigkeit. Dabei werden Investitionen in Unternehmen getätigt, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) berücksichtigen. Dies umfasst den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen, faire Arbeitsbedingungen und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Ziel ist es, finanzielle Erträge mit positiven ökologischen und sozialen Auswirkungen zu verbinden.
Q2. Welche nachhaltigen Anlageprodukte bieten Banken an? Banken bieten verschiedene nachhaltige Anlageprodukte an, darunter nachhaltige ETFs, die Nachhaltigkeitsindizes abbilden, grüne Anleihen zur Finanzierung umweltfreundlicher Projekte, Social Bonds für soziale Initiativen wie bezahlbaren Wohnraum sowie thematische Investmentfonds, die sich auf Megatrends wie Klimaschutz oder erneuerbare Energien konzentrieren. Zusätzlich gibt es nachhaltige Vermögensverwaltungsmandate, die individuelle Nachhaltigkeitspräferenzen berücksichtigen.
Q3. Sind passive oder aktive ESG-Fonds die bessere Wahl? Passive ESG-Fonds sind für die meisten Anleger die bessere Wahl. Sie kosten durchschnittlich 1,25 Prozent weniger pro Jahr als aktive Fonds und erzielen im Durchschnitt höhere Renditen. Zudem weisen passive ESG-Fonds bessere Nachhaltigkeitseigenschaften auf, mit höheren ESG-Ratings und durchschnittlich 20 Prozent niedrigeren CO2-Emissionen. Aktive Fonds schneiden lediglich bei wertbasierten Ausschlüssen geringfügig besser ab.
Q4. Wie vermeidet man Greenwashing bei nachhaltigen Investments? Um Greenwashing zu vermeiden, sollten Anleger auf transparente ESG-Berichterstattung achten und prüfen, ob Finanzprodukte anerkannten Standards wie den Green Bond Principles oder der EU-Taxonomie entsprechen. Wichtig ist auch, die tatsächlichen Ausschlusskriterien und ESG-Ratings zu hinterfragen. Eine qualifizierte Beratung und die Überprüfung unabhängiger Nachhaltigkeitsbewertungen helfen dabei, tatsächlich nachhaltige von nur scheinbar nachhaltigen Produkten zu unterscheiden.
Q5. Welche Rolle spielen Banken bei der nachhaltigen Transformation der Wirtschaft? Banken nehmen eine Schlüsselrolle bei der nachhaltigen Transformation ein, indem sie Kapitalströme in nachhaltige Projekte lenken. Sie finanzieren erneuerbare Energien und umweltfreundliche Infrastruktur, entwickeln nachhaltige Anlageprodukte und integrieren ESG-Kriterien in ihre Kreditvergabe. Durch Ausschlusskriterien für klimaschädliche Branchen und die Förderung von Unternehmen mit hohen Nachhaltigkeitsstandards tragen sie aktiv zur Erreichung der Klimaziele bei.
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